<%@LANGUAGE="JAVASCRIPT" CODEPAGE="1252"%> Alles ueber Kinderstimmbildung: Rezensionen - Singen im Kindergarten

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Rezension

Erschienen in:: Vox Humana, Oktober 2009

Andreas Mohr
Rezension zu:
Singen im Kindergarten
111 Lieder mit Gestaltungsideen zum Singen, Spielen, Bewegen für die Patinnen und Paten „Singen mit Kindern“
Ringordner - Herausgegeben von der „Stiftung Singen mit Kindern“.
Helbling 2007 –ISBN 978-3-85061-400-9

Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts erweist sich als besonders fruchtbar im Hervorbringen von pädagogischem Material zum Singen mit Kindern. Die Baden-Württembergische Stiftung „Bündnis für das Singen mit Kindern“hat sich schon früh für ein aktives Heranführen von Kindern zum Singen eingesetzt und mit der Ausbildung von Singepatinnen und -paten sowie der Erstellung von Liederkalendern und Verleihung von Auszeichnungen an besonders eifrige Kinder interessante Wege zur Intensivierung des Singens im Kindesalter aufgezeigt.

Das im Helbling-Verlag erschienene Arbeitsmaterial „Singen im Kindergarten“stellt nun ein Lehrerhandbuch für die Singepatinnen und –paten vor und zeigt an 111 Liedern, wie sie lebendig und pädagogisch sinnvoll mit der Kindergartengruppe erlernt, gesungen und gestalterisch dargestellt werden können. Weit über den Kreis von Mitgliedern der Stiftung hinaus ist das Handbuch für jeden, der mit Kindern im Kindergartenalter singt, eine gute Materialsammlung mit vielen nützlichen Anregungen.

Zunächst werden in drei kurzen Statements didaktische Grundlagen vorgestellt. Ingrid Engel, Rhythmikerin und Professorin für Elementare Musikpädagogik an der Hanns-Eisler-Hochschule in Berlin legt gemäß der Erkenntnis, dass „Singen das erste ganzheitliche Modell sei –ein vernetztes System von Stimme. Atem, Sprache, Bewegung, Melodie und Rhythmus“einen Kriterienkatalog zur Liedvermittlung vor, gegliedert in „Kriterien der Liedauswahl“, „Inhalte, Erfahrungen und Ziele“sowie „Methodische Aspekte“. Dieser Katalog stellt jeder Erzieherinn und jedem Erzieher ein sinnvolles und erleichterndes Konzept zur Verfügung.

Das zweite Statement widmet sich der Stimmbildung. Die ausgewiesene Fachfrau Friedhilde Trüün zeigt Aspekte der kindlichen Stimme auf, macht mit Brummer- und „Quieker“behandlung bekannt und gibt eine Fülle praktischer Beispiele zu den wichtigsten stimmbildnerischen Notwendigkeiten. Trüüns Übungen und Stimmspiele sind durchweg gut erfunden, zweckorientiert, präzise beschrieben und legen Zeugnis ab von der jahrzehntelangen praktischen Erfahrung der Autorin.

Im dritten Statement klärt Prof. Bernhard Richter, Leiter des Instituts für Musikermedizin an der Universität Freiburg i. Br., über elementare gesundheitliche Aspekte auf, die mit dem Singen zusammenhängen. Gängige Schlagworte wie „Singen ist gesund“, Singen fördert die Sprachentwicklung“etc. werden in kurzen, prägnanten Absätzen erläutert und liefern den Lehrpersonen die notwendigen Argumente für den verstärkten Einsatz des Singens im Kindergarten.

Der weitaus größte Teil des Buches enthält 111 Lieder, die sämtlich mit Gestaltungsideen verschiedener Mitautorinnen und Mitautoren versehen sind. Gut strukturiert und mit fantasievollen Vorschlägen für Einstieg, Begleitung, Bewegungs- und Tanzspiel versehen ermöglichen die Gestaltungshilfen auch ungeübteren Lehrpersonen, kreativ mit den Kindern zu singen. Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass zuweilen auch das bloße gemeinsame Singen eines Liedes ohne jede gestalterische Beigabe zu einem unvergesslichen Erlebnis werden kann. Die Lieder sind in für Kinder gut singbaren Tonarten abgedruckt und mit einfachen Akkordbezeichnungen versehen. Der Umfang der Lieder überschreitet nach oben kaum das d2, in der tiefen Lage kommen zuweilen Töne unterhalb d1 vor, obwohl im „Leitfaden für das Handbuch“ausdrücklich vor tieferen Tönen als d1 gewarnt wird. Allerdings sind die paar „Ausreißer“wenig stimmgefährdend, da sich die tiefen Töne meist in eher zurückhaltender Stimmgebung präsentieren, abgesehen von dem Lied „Imse Wimse Spinne“, das völlig ohne Not in C-Dur notiert ist und so zu bruststimmiger Ausführung geradezu auffordert.

Über die Auswahl solcher Liedersammlungen kann man natürlich unendlich diskutieren. Hier sind erfreulich viele herkömmliche Kinderlieder enthalten, darunter dankenswerter Weise auch so „Gängiges“wie „Hänschen klein“oder „Bruder Jakob“, dieser franz. Kanon sogar mit dem Text für 15 Sprachen. Dass die Sammlung auch melodisch über den Kinderliedertypus hinausgehende und textlich anspruchsvolle Lieder präsentiert (z. B. „Geh aus mein Herz und suche Freud‘“, „Die Blümelein, sie schlafen“, „Der Mond ist aufgegangen“), ist besonders hervorzuheben. Leider macht das Buch mit viel zu wenigen Lieder in Moll oder Pentatonik bekannt und enthält auch verhältnismäßig wenige Stücke in ungeradem Takt. Bei einigen Titeln ist die Quellenrecherche etwas oberflächlich geraten (fälschliche Zuschreibung der 2. Strophe von „Auf unsrer Wiese gehet was“an Hoffmann von Fallersleben) oder ungenau (Die Melodie von „Hello, good morning“stammt nicht von Lorenz Mayerhofer sondern von Carl Gottlieb Hering). Das verwundert, da doch das Deutsche Volksliedarchiv in Freiburg i. Br., das in einem kurzen Portrait am Ende des Buches vorgestellt wird, an diesem Handbuch mitgewirkt hat.


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